Eine Katze aus dem Tierschutz zu adoptieren ist einfacher, als die meisten denken: Du suchst über ein Vermittlungsportal oder ein Tierheim in deiner Nähe, füllst eine Selbstauskunft aus, lernst die Katze kennen und zahlst eine Schutzgebühr von meist 80 bis 160 Euro. In diesem Guide erfährst du Schritt für Schritt, wie die Adoption abläuft, was sie kostet und wie die Eingewöhnung gelingt.
Und weil ich das nicht aus der Theorie erzähle, sondern aus dem Alltag mit zwei Tierschutzkatzen: Als Misho bei uns einzog, war er siebeneinhalb Jahre alt, taub und hatte gerade sein Zuhause verloren. Heute liegt er neben mir auf dem Sofa, während ich das hier schreibe. Wie es dazu kam, welche Fehler du dir sparen kannst und wo du dein eigenes Fellchen findest, liest du hier.

Das erwartet dich
- Wie kamen Misho und Tutti zu uns?
- Warum eine Katze aus dem Tierschutz adoptieren?
- Tierheim oder Tierschutzverein: Wo findest du deine Katze?
- Was, wenn es eine Rassekatze sein soll?
- Wie findest du eine Katze in deiner Nähe?
- Was kostet eine Katze aus dem Tierschutz?
- Wie gelingt die Eingewöhnung?
- Häufige Fragen zur Katzen-Adoption
🐾 Wie kamen Misho und Tutti zu uns?
Misho war kein Streuner. Er hatte in Bulgarien bei einer älteren Dame gelebt, bis sie verstarb, und stand mit siebeneinhalb Jahren plötzlich ohne Zuhause da. Über den Tierschutzverein Fellnasenglück grenzenlos e.V. kam er auf eine deutsche Pflegestelle, und von dort 2020 zu uns. Ein tauber Kater in dem Alter, dazu später noch eine Krebs-Operation, nach der ihm ein Ohr fehlt: Auf dem Papier klingt Misho nach einem Sorgenfall. In echt ist unser Einohrkater der entspannteste Mitbewohner, den man sich wünschen kann. Seine Taubheit macht ihn übrigens zum geborenen Wohnungskater, er vermisst draußen nichts und döst am liebsten da, wo gerade das Leben stattfindet. Wie der Alltag mit einem gehörlosen Stubentiger wirklich aussieht, erzählen wir ausführlich in unserem Ratgeber über das Leben mit einer tauben Katze.

Ein Jahr später folgte Tutti, eine Straßenkatze aus Sofia, damals etwa vier Jahre alt. Tutti kam direkt per Transport aus Bulgarien zu uns, mit ihrer unverwechselbar heiseren Stimme im Gepäck. Anders als Misho hat sie sich ihre Freiheit behalten: Tutti ist Freigängerin und kommt trotzdem jeden Abend nach Hause. Zwei Katzen, zwei völlig verschiedene Geschichten, ein Fazit: Die Vorstellung, dass eine Tierschutz-Adoption kompliziert und bürokratisch ist, hat sich bei uns beide Male in Luft aufgelöst.
Wenn du mehr über die zwei wissen willst: Auf unserer Über-uns-Seite stellen wir Misho und Tutti ausführlich vor. Die beiden sind der Grund, warum es Katzenmuddi überhaupt gibt.
💗 Warum eine Katze aus dem Tierschutz adoptieren?
Fangen wir mit der Zahl an, die mich immer wieder umhaut: Rund 2 Millionen Straßenkatzen leben laut dem Katzenschutzreport des Deutschen Tierschutzbundes allein in Deutschland. Das ist keine Zahl aus einem fernen Urlaubsland, das passiert hier: in Schrebergärten, auf Bauernhöfen, in Industriegebieten. Der gleiche Report nennt ein Detail, das hängen bleibt: 99 Prozent der Straßenkatzen sind krank, wenn Tierschutzvereine sie zum ersten Mal untersuchen lassen.
Gleichzeitig leben laut ZZF und IVH 15,7 Millionen Katzen gut versorgt in deutschen Haushalten. Die Katze ist das beliebteste Haustier des Landes. Es gibt also genug Herzen und Sofas, sie müssen nur mit den richtigen Fellnasen zusammenfinden.

Genau da kommst du ins Spiel. Jede adoptierte Katze bedeutet: ein gerettetes Leben, ein freier Platz im Tierheim für das nächste Tier in Not, und kein Cent für fragwürdige Vermehrer. Dazu bekommst du eine Katze, die tierärztlich durchgecheckt, meist geimpft, gechippt und kastriert ist. Bei einer erwachsenen Katze weißt du außerdem schon, wen du dir ins Haus holst: verschmust oder unabhängig, ruhig oder verspielt. Die Menschen im Tierheim kennen ihre Schützlinge und beraten dich ehrlich.
Der Deutsche Tierschutzbund ist mit 16 Landesverbänden, über 750 örtlichen Tierschutzvereinen und rund 550 vereinseigenen Tierheimen die größte Tier- und Naturschutz-Dachorganisation Europas. Diese Tierheime versorgen laut dem Verbandsmagazin DU UND DAS TIER etwa 390.000 Tiere pro Jahr, und zwei von drei Tierheimen sind fast dauerhaft voll belegt. Jede einzelne Adoption entlastet dieses System direkt.
🏠 Tierheim oder Tierschutzverein: Wo findest du deine Katze?
Der klassische Weg zur Katze aus dem Tierheim: Du fährst hin, lernst die Katzen persönlich kennen und merkst oft schon beim ersten Besuch, wer dich aussucht. Ja, es läuft meistens andersherum, als man denkt. Das Tierheim-Team kennt jede Katze mit ihren Eigenheiten und sagt dir ehrlich, ob die scheue Dreifarbige zu deinem trubeligen Familienalltag passt oder eher nicht.
Daneben gibt es Tierschutzvereine, die häufig ohne eigenes Tierheim arbeiten. Die Katzen dieser Vereine leben auf privaten Pflegestellen, also in ganz normalen Wohnzimmern, wo sie schon mal Alltag üben. Viele Vereine holen zudem Katzen aus dem Auslandstierschutz nach Deutschland, so wie unsere beiden aus Bulgarien. Der Vorteil einer Pflegestellen-Katze: Sie kennt Staubsauger, Klingel und Fernsehabende bereits, und die Pflegefamilie kann dir ihr Verhalten im echten Zuhause beschreiben, nicht nur im Zwinger.

Was beide Wege gemeinsam haben: eine Selbstauskunft (keine Angst, das ist kein Verhör, sondern ehrliches Interesse am Tierwohl), ein Kennenlernen, oft eine Vorkontrolle bei dir zu Hause und am Ende ein Schutzvertrag mit Schutzgebühr. Klingt nach viel Prozedur, ist aber in wenigen Wochen erledigt.
👑 Was, wenn es eine Rassekatze sein soll?
Ganz ehrlich: Ich verstehe die Faszination. Eine Maine Coon ist ein beeindruckendes Tier, und wer sich einmal in Perser verguckt hat, kommt da so schnell nicht wieder raus. Die gute Nachricht: Du musst dafür nicht zum Züchter. Rassekatzen sitzen auch im Tierheim, und zwar öfter, als man denkt. Scheidungen, Todesfälle, Allergien oder schlicht Überforderung machen leider auch vor Katzen mit Stammbaum nicht halt.
Für viele beliebte Rassen gibt es außerdem spezialisierte Nothilfen, etwa für Perser, Siam oder Maine Coons, die genau diese Tiere auffangen und vermitteln. Auf den großen Vermittlungsportalen kannst du zusätzlich gezielt nach Rasse filtern, dazu gleich mehr. Der einzige Unterschied zum Kauf beim Züchter: Du wartest vielleicht ein paar Wochen länger auf dein Wunschtier. Dafür rettest du eins.
📍 Wie findest du eine Katze in deiner Nähe?
Du musst nicht jedes Tierheim im Umkreis einzeln abklappern. Für die Katzenvermittlung gibt es Portale, die die Tiere hunderter Tierheime und Tierschutzvereine bündeln, quasi die Immobilienportale des Tierschutzes, nur mit deutlich mehr Schnurrhaaren. Dort siehst du auf einen Blick, welche Katzen aktuell zu vermitteln sind.
Meine erste Empfehlung für die Katzensuche ist shelta, das kostenlose Vermittlungsportal von TASSO e.V., die auch das größte Haustierregister Deutschlands betreiben. Auf shelta stellen Tierheime und Vereine aus ganz Deutschland ihre Tiere ein. Du gibst deine Postleitzahl ein, filterst nach Katze, Alter, Geschlecht oder danach, ob das Tier Freigang braucht oder als Wohnungskatze glücklich wird, und bekommst passende Fellnasen in deiner Umgebung angezeigt. Daneben lohnt sich der Blick auf Tierheimhelden.de und Tiervermittlung.de, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren.
Das Schöne an diesen Portalen: Sie funktionieren überall gleich gut, egal ob du in Hamburg, Berlin, Düsseldorf oder wie wir in einer Kleinstadt wohnst. Gerade in Großstädten sind die Tierheime oft voll bis unters Dach. Dort wartet also eine besonders große Auswahl an Katzen, die dringend ein Zuhause suchen.
Schau bei den Portalen auch mal gezielt in die Kategorie der älteren Katzen und der Tiere mit Handicap. Unser tauber Misho ist der lebende Beweis, dass genau diese Katzen oft die dankbarsten und entspanntesten Mitbewohner sind. Sie werden am längsten übersehen und haben die Ruhe weg, die junge Kitten erst noch lernen müssen.
💶 Was kostet eine Katze aus dem Tierschutz?
Die sogenannte Schutzgebühr irritiert viele beim ersten Mal: Warum kostet eine Katze Geld, die doch dringend ein Zuhause sucht? Die Antwort ist einfach. Bevor eine Tierschutzkatze vermittelt wird, ist sie tierärztlich untersucht, geimpft, gechippt und in den meisten Fällen kastriert. Allein diese Leistungen kosten das Tierheim oft mehrere hundert Euro pro Tier, die Schutzgebühr deckt davon nur einen Teil. Nebenbei sorgt sie dafür, dass niemand aus einer Laune heraus ein Tier mitnimmt und es zwei Wochen später zurückbringt.
| Herkunft der Katze | Übliche Schutzgebühr | Meist enthalten |
|---|---|---|
| Deutsches Tierheim | 80 bis 160 Euro | Impfungen, Chip, Kastration, Gesundheitscheck |
| Tierschutzverein mit Pflegestellen | 100 bis 200 Euro | wie Tierheim, plus Pflegestellen-Erfahrungsbericht |
| Auslandstierschutz (z. B. Bulgarien) | 200 bis 300 Euro | wie oben, plus Transport, EU-Heimtierausweis, Reiseimpfungen |
Verglichen mit dem Preis einer Katze vom Züchter und mit dem, was Impfungen, Chip und Kastration beim Tierarzt einzeln kosten würden, ist die Schutzgebühr fast schon ein Freundschaftspreis. Denk nur daran: Sie ist der kleinste Posten. Futter, Streu, Tierarzt und die eine oder andere zerkratzte Couch begleiten dich die nächsten 15 bis 20 Jahre. Eine Katze zu adoptieren ist eine Herzens- und eine Budgetentscheidung, beides sollte stimmen.
🛋️ Wie gelingt die Eingewöhnung deiner Tierschutzkatze?
Der Umzug ist für jede Katze erstmal ein Schock, egal wie liebevoll ihr neues Zuhause ist. Gerade Tierschutzkatzen bringen manchmal eine Vergangenheit mit, die du nicht komplett kennst. Deshalb gilt bei der Eingewöhnung: langsam, leise, geduldig.
Bewährt hat sich ein Ankunftszimmer: ein ruhiger Raum mit Futter, Wasser, Katzenklo, einem Versteck (ein Karton tut es völlig) und einem Kratzbaum. Dort darf die Katze ankommen, ohne gleich die ganze Wohnung und alle Bewohner verarbeiten zu müssen. So ein Versteck ist kein Luxus, sondern senkt nachweislich den Stress, mehr dazu, warum Katzen Kartons so lieben. Setz dich einfach ruhig dazu, lies ein Buch, lass sie dich beobachten. Wenn sie kommt, kommt sie. Bedrängen bringt gar nichts, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.
Bei Misho ging die Eingewöhnung erstaunlich schnell, nach wenigen Tagen hatte er das Sofa als seins deklariert. Tutti als ehemalige Straßenkatze brauchte deutlich länger, bis sie uns vertraut hat. Heute fordert sie ihre Streicheleinheiten mit ihrer heiseren Stimme ein, als hätte sie nie etwas anderes getan. Beide Katzen haben mir dasselbe beigebracht: Das Tier bestimmt das Tempo, und jede Woche Geduld zahlt es dir in jahrelangem Vertrauen zurück.

Noch zwei praktische Punkte für den Start: Übernimm anfangs das gewohnte Futter und die gewohnte Streu aus dem Tierheim, das reduziert Stress enorm. Frisst deine Katze in den ersten Tagen wenig, ist das oft normal, ein paar sanfte Tipps für mäkelige Fresser helfen über die Umstellung hinweg. Und wenn deine Katze später Freigang haben soll, gib ihr vorher mindestens vier bis sechs Wochen Zeit drinnen, damit sie ihr neues Zuhause als sichere Basis abspeichert.
❓ Häufige Fragen zur Katzen-Adoption
Wie adoptiert man eine Katze? Schritt für Schritt
Katze über ein Vermittlungsportal wie shelta oder direkt im Tierheim finden, Selbstauskunft ausfüllen, das Tier kennenlernen und nach eventueller Vorkontrolle den Schutzvertrag unterschreiben. Mit der Schutzgebühr von meist 80 bis 160 Euro zieht dein Fellchen dann ein – das Ganze dauert in der Regel ein bis vier Wochen.
Wie lange dauert es, eine Katze zu adoptieren?
Vom ersten Kontakt bis zum Einzug vergehen meist ein bis vier Wochen. Kennenlernen, Selbstauskunft und gegebenenfalls eine Vorkontrolle brauchen etwas Zeit, das schützt aber Tier und Mensch vor Fehlentscheidungen.
Kann ich als berufstätige Person eine Katze adoptieren?
Ja, absolut. Wichtig ist, dass die Katze zu deinem Alltag passt. Bei einem Vollzeitjob empfehlen viele Tierheime zwei Katzen, damit sich die beiden tagsüber Gesellschaft leisten, oder eine ältere, ruhige Einzelkatze, die gern ihr eigenes Ding macht.
Sind Katzen aus dem Tierschutz verhaltensauffällig?
Die allermeisten nicht. Katzen landen überwiegend aus menschlichen Gründen im Tierschutz: Allergien, Umzüge, Trennungen, Todesfälle. Das Tierheim-Team kennt seine Tiere und sagt dir ehrlich, welche Katze besondere Bedürfnisse hat und welche einfach nur ein Sofa sucht.
Sollte ich eine ältere Katze adoptieren?
Unbedingt in Betracht ziehen! Ältere Katzen sind charakterlich gefestigt, meist ruhiger und unglaublich dankbar. Unser Misho zog mit 7,5 Jahren ein und ist das beste Argument für Senioren-Adoptionen, das ich kenne.
Was brauche ich zur Erstausstattung für eine Katze?
Katzenklo, Futter- und Wassernapf, Kratzbaum, Transportbox, ein Versteck und etwas Spielzeug. Rechne für die Grundausstattung mit etwa 100 bis 200 Euro, je nachdem, wie sehr du beim Kratzbaum eskalierst.
❤️ Fazit: Katze adoptieren lohnt sich, für euch beide
Eine Katze aus dem Tierschutz zu adoptieren ist unkomplizierter, günstiger und schöner, als die meisten denken. Du bekommst eine durchgecheckte Katze mit bekanntem Charakter, rettest ein Leben und machst Platz für das nächste. Ob Tierheim um die Ecke oder Verein mit Pflegestellen, ob Hauskatze, Senior oder sogar Rassekatze: Über Portale wie shelta findest du genau die Katze, die zu deinem Leben passt.
Misho und Tutti haben mein Leben komplett umgekrempelt, so sehr, dass am Ende sogar Katzenmuddi daraus entstanden ist. Ich wünsche dir von Herzen, dass dich dein Fellchen genauso findet.
📚 Quellen & weiterführende Links
- Deutscher Tierschutzbund e.V.: Der große Katzenschutzreport und Themenseite Straßenkatzen. tierschutzbund.de
- Deutscher Tierschutzbund e.V.: Vision und Mission (Anzahl Mitgliedsvereine und Tierheime). tierschutzbund.de
- ZZF und IVH: Heimtiere in Deutschland, Population 2025. zzf.de
- DU UND DAS TIER, Magazin des Deutschen Tierschutzbundes: Tierheime in Deutschland. duunddastier.de
- TASSO e.V.: shelta, das kostenlose Tiervermittlungsportal. shelta.tasso.net

Ich teile mein Leben seit dem Jahr 2020 mit Mish und Tutt – zwei Fellnasen, die ich aus dem bulgarischen Tierschutz zu mir geholt habe. Auf Katzenmuddi schreibe ich ehrliche Ratgeber für Katzenmamas – von der Eingewöhnung bis zu den kleinen Alltagsdramen.
Was du hier liest, kommt aus dem echten Alltag mit meinen beiden Fellnasen – aus eigenen Erfahrungen, vielen Stunden Recherche und unzähligen Gesprächen mit anderen Katzenmamas. ❤️

